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EDITORIAL


ALEXANDER HELBACH, Chefredakteur

TRAUERNDE NICHT AUSSCHLIESSEN

Vor Kurzem tauchte in der wöchentlichen "Gewissensfrage" des Magazins der Süddeutschen Zeitung die Frage auf, ob man eine Arbeitskollegin, die um ihre Mutter trauert, lieber nicht zu einer Geburtstagsfeier einladen sollte – oder erst recht. Die Antwort des Experten lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Ja, auch Trauernde sollten eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier erhalten. Dies sei nicht „pietätlos, sondern sinnvoll“. Allerdings sollte bei einer solchen Einladung stets auch der Hinweis enthalten sein, dass es sich nur um ein Angebot und keine Verpflichtung handelt.

Dieser Sichtweise kann ich nur zustimmen. Stirbt jemand, ist das persönliche Umfeld der Trauernden schnell verunsichert. Die Angst, einen Fehler zu machen, ist dann häufig so groß, dass Trauernde aus falscher Scheu gemieden werden. Weil man nicht weiß, was man tun soll, tut man lieber gar nichts. Die eingangs erwähnte Einladung zum Geburtstag zum Beispiel lässt man dann lieber unausgesprochen – vordergründig, um den Trauernden bzw. die Trauernde zu schonen. Bei ehrlicher Betrachtung spricht aus diesem Verhalten aber eher auch die eigene Unsicherheit.

Trauernde brauchen Verständnis, keine falsche Rücksichtnahme. Sie müssen sich nach dem Verlust neu in ihrem Leben einrichten, da kann jede Unterstützung aus dem Umfeld hilfreich sein. „Kann“, wohlgemerkt - viele Angebote mögen auch unpassend sein. Deshalb ist es wichtig, behutsam vorzugehen und keinen Druck aufzubauen. Dies beinhaltet, immer die Möglichkeit zum Rückzug einzuräumen. Aber Trauernde von vornherein auszuschließen, hilft ihnen sicherlich nicht weiter. Eine solche Entscheidung können Betroffene nur selbst fällen. Trauer ist eine individuelle Angelegenheit. Jeder trauert anders. Außenstehenden ist nicht immer klar, was im Kopf der Trauernden vor sich geht. Lassen Sie sich jedoch dadurch nicht verunsichern. Reichen Sie Trauernden die Hand, bieten Sie konkrete Unterstützung und die Teilhabe am sozialen Leben an. Und akzeptieren Sie ohne Groll, wenn Angebote eben nicht angenommen werden.



Ihr Alexander Helbach

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AUSGABE 01.2016

 
 

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