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ZEIT & GEIST

WOHNEN IM ALTER

Wie und wo wollen wir leben, wenn wir nicht mehr alles alleine schaffen? Senioren haben heute viele Möglichkeiten, aber auch die Qual der Wahl.

Von Jane Kähler

Den Wunsch, auch im hohen Alter möglichst selbstständig in vertrauter Umgebung zu leben, teilen die meisten Menschen. Jahrhundertelang war dies eine Selbstverständlichkeit, davon erzählen etwa die so genannten Altenteile auf historischen Bauernhöfen. Der Hoferbe war sogar gesetzlich verpflichtet, für die Eltern zu sorgen. Diese zogen sich aufs Altenteil zurück und erhielten dort Versorgung. Heute ist das Leben sehr viel komplexer geworden, es gibt zahlreiche Modelle für das Wohnen im Alter. Die Stiftung Warentest empfiehlt realistisch und besonnen zu prüfen, wie sich die eigenen Wünsche verwirklichen lassen und sich umfassend zu informieren. Es helfen Gespräche mit Fachleuten, Begegnungen mit Menschen, die bereits diesen Schritt gegangen sind, aber gerade auch Gespräche mit Freunden und Verwandten, die einen am besten einschätzen können. Wer sich unsicher ist, sollte zudem Möglichkeiten zum Probewohnen oder -pflegen nutzen.

Zuhause wohnen:
Wer zuhause bleiben möchte und keine Angehörigen hat, die für Unterstützung sorgen können, der kann Hilfe von außen holen. Je nach Betreuungsgrad kann dies vom Mittagessen-Bringdienst bis hin zur 24-Stunden-Betreuung gehen. Maßnahmen zur Wohnungsanpassung wie ein fahrbares Bett oder Griffe im Bad können weitere Erleichterung bringen. Bei der Pflege zuhause spielen allerdings finanzielle Aspekte eine wichtige Rolle, denn nicht alles zahlt die Kasse, und auch der Faktor "Einsamkeit" sollte bedacht werden. Oft können Senioren in einer anderen Umgebung mehr Angebote wahrnehmen und haben mehr soziale Kontakte, als wenn sie allein zuhause bleiben.

Umziehen:
Einen alten Baum verpflanzt man nicht, heißt es. Dabei kann ein Umzug im Alter sogar neue Impulse bringen und langfristig sehr sinnvoll sein. Für jeden Betreuungsbedarf und individuellen Wunsch gibt es Möglichkeiten: etwa das betreute Wohnen in einer Seniorenresidenz oder Hausgemeinschaft. Hier wohnt man in der eigenen Wohnung, gegebenenfalls auch mit dem Partner zusammen, kann aber Leistungen wie Essensversorgung oder Pflege dazubuchen. Im Notfall kann man schnell und einfach Hilfe holen. Freizeitangebote sorgen für Abwechslung und viele Einrichtungen verfügen über Cafés, Kiosk, Friseur, Parks oder Schwimmbäder. Ein großer Vorteil ist, dass man im Falle einer verstärkten Pflegebedürftigkeit nicht mehr umziehen muss. Auch hier spielt der finanzielle Aspekt eine große Rolle, da diese Wohnform oft die Leistungen der Pflegeversicherung übersteigt. Bei starker Pflegebedürftigkeit bieten Pflegeheime eine stationäre Rundum-Betreuung. Bei der Wahl der richtigen Einrichtung geht es neben der Pflegebedürftigkeit vor allem auch um den Standort des neuen Heims und die Frage, ob man sich dort wohlfühlt. Die Standards in der Pflege sind prinzipiell vergleichbar, da sie gesetzlich vorgeschrieben sind.

Alternative Möglichkeiten:
Bei den so genannten Plus-Wohngemeinschaften teilen sich Senioren eine große Wohnung oder ein Haus mit einzelnen Zimmern bzw. Wohnungen und Gemeinschaftsräume wie etwa Küche oder Garten. Normalerweise finden sich die Gemeinschaften, wenn die Bewohner noch jünger sind. Der ehemalige Bremer Bürgermeister Henning Scherf hat langfristig geplant und wohnt mit seiner Frau in einem rollstuhlgerechten Gemeinschaftshaus mit Fahrstuhl. Den Vorteil sieht er für die Senioren vor allem darin, "dass sie nicht alleine sind. Dass sie nicht wie Millionen andere am Ende ihres Lebens einsam und isoliert leben." Wenn die Bewohner älter werden, können auch hier Pflegekräfte von außen unterstützen. Scherfs Tipp für die Auswahl der Mitbewohner: "Nichts überstürzen. Sich Zeit nehmen, rechtzeitig herausbekommen, ob man sich gegenseitig ertragen kann." Eine andere Alternative sind Mehrgenerationenhäuser und -anlagen, die vermehrt entstehen. Hier leben junge und alte Menschen zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Die Idee ist die Struktur einer Großfamilie oder Kommune, in der jeder für den anderen da ist – ob verwandt oder nicht. Für wirklich pflegebedürftige Senioren gibt es Projekte, in denen Pflege-WGs integriert sind.

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