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GESICHTER & GESCHICHTEN

Joschka Fischer Foto: Michael Thaidigsmann | Copyright-Lizenz: CC-BY 4.0


BEWEGTES LEBEN

Er hat eine vorzeigbare Karriere: Joschka Fischer brachte es vom Taxifahrer über den Revoluzzer zum deutschen Außenminister. Im April wird er 70 Jahre alt.

Von Jane Kähler

Joschka Fischer wird als Joseph Martin Fischer am 12. April 1948 in Gerabronn in Baden-Württemberg geboren. Er ist das dritte Kind einer ungarndeutschen Aussiedlerfamilie. Die Schule bricht Joschka Fischer ab, genau wie eine Lehre als Fotograf. Er jobbt als Taxifahrer, Übersetzer, Buchhändler und Schauspieler, lebt in Frankfurt und ist 1967/68 in der Frankfurter Studentenbewegung aktiv. Fischer hört die Vorlesungen der "Frankfurter Schule" um Adorno und Jürgen Habermas, dort wird er als Rhetoriker geprägt: "Hörsaal 6 der Johann Wolfgang Goethe-Universität war eine gute Übungsstätte", sagt er selbst dazu.

Bis 1975 ist Fischer Mitglied im "Revolutionären Kampf", einer linksrevolutionären Gruppe, die auch vor Gewalt nicht zurück schreckt. "Wir haben Steine geworfen", sagt Joschka Fischer, "wir wurden verdroschen, aber wir haben auch kräftig hingelangt." Eine Tatsache, die Fischer bis heute von politischen Gegnern vorgeworfen wird. Die Ereignisse des Deutschen Herbstes 1977 ändern das politische Bewusstsein Fischers. Er wendet sich vom militanten Aktionismus ab, will politische Anliegen gewaltfrei umsetzen. 1980 werden die "Grünen" gegründet, Joschka Fischer tritt in die Partei und wird 1983 erstmals in den Bundestag gewählt. Er ist als brillanter Redner bekannt, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Sein Ausruf "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!" gegen den ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen hat Parlamentsgeschichte geschrieben.

Fischer prägt mit Otto Schily den realpolitischen Flügel der "Grünen". 1985 bildet sich eine rot-grüne Landesregierung in Hessen, Fischer wird Umweltminister. 1987 zerbricht die Koalition am Streit über die Atompolitik. In einer Neuauflage von Rot-Grün wird Fischer wieder Umweltminister, geht 1994 aber nach Berlin und wird zum Sprecher der Bundestagsfraktion. 1998 entsteht die erste rot-grüne Regierungskoalition: Joschka Fischer wird im Kabinett Gerhard Schröder der erste grüne Außenminister und Vizekanzler. Von 1998 bis 2005 ist er ein beliebter Politiker, der sich auch gegen innerparteiliche Kritik durchsetzt. 1999 stimmt Fischer etwa dem Einsatz deutscher Bodentruppen im Kosovokrieg zu. Gemeinsam mit Kanzler Gerhard Schröder stellt er sich 2002 hingegen klar gegen einen Kriegseinsatz im Irak. "Die Intervention von George W. Bush im Irak hat am meisten geschmerzt", sagt Fischer heute, „weil man sah, was da kommen wird." 2005 zerbricht die Regierungskoalition an den Hartz-IV-Reformen, 2006 zieht sich Joschka Fischer aus allen politischen Ämtern zurück. "Für mein Seelenheil brauche ich keine Partei, das wird andernorts entschieden", sagt er, "aber Deutschland wäre sehr viel ärmer ohne die Grünen. Die Grünen bieten immer wieder Anlass, sich über sie aufzuregen, aber wenn Sie mal eine weitere Perspektive auf sie haben, stellen Sie fest: Was hat dieser chaotische Laden nicht alles zum Positiven durchgesetzt!" Heute arbeitet Joschka Fischer als Berater und Gastredner, er ist Gründungsmitglied einer Beratungsfirma. "Ich arbeite, weil es mir Spaß macht", sagt er, "den ganzen Tag daheim rumzusitzen wäre nichts für mich." Sein Privatleben bot immer viel Stoff für die Presse: Er war fünfmal verheiratet, heute mit der Filmproduzentin Minu Barati. Fischer hat zwei Kinder aus zweiter Ehe und lebt in Berlin-Grunewald. Für seinen Einsatz in der deutsch-israelischen Verständigung und im Nahost-Friedensprozess wurde Joschka Fischer mehrfach ausgezeichnet.

Joschka Fischer: Der Abstieg des Westens.
Kiepenheuer & Witsch 2018, 240 Seiten, 20,00 Euro

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AUSGABE 01.2018

 
 

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