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TRAUERKULTUR

Foto: HolgersFotografie | Copyright-Lizenz: CC0 Creative Commons


WIE MÄNNER TRAUERN

Martin Kreuels hat sein Berufsleben dem Tod und der Trauer gewidmet.

Von Jane Kähler

Dass der Tod auch ganz viel mit Leben zu tun hat, dafür ist die Geschichte von Martin Kreuels ein gutes Beispiel. Der promovierte Biologe, spezialisiert auf Spinnen, lebte mit seiner Frau und seinen Kindern in Münster, bis seine Frau kurz nach der Geburt des vierten Kindes die Diagnose Krebs erhielt. 2009 verlor sie den Kampf gegen die Krankheit, und Martin Kreuels Leben änderte sich von einem Tag auf den anderen. Nicht zuletzt sein kleiner Sohn, der die Mama mit seiner Kamera auf dem Totenbett fotografierte, brachte Martin Kreuels dazu, sich intensiv mit dem Tod auseinanderzusetzen – in der Fotografie, im Reden und Schreiben. „Ich habe meinen Beruf als Biologe letztlich aufgegeben, weil ich dort keine Antworten auf den Tod meiner Frau bekommen habe. Vorher war ich Wissenschaftler oder zumindest dachte ich, ich wäre einer.

Ich hatte bis dahin versucht, die Dinge sachlich, logisch anzugehen. Nach dem Tod meiner Frau habe ich diese Sachlichkeit gegen Emotionen eingetauscht“, sagt er. Auf der Suche nach Gesprächsgruppen oder Gleichgesinnten fand Martin Kreuels vor allem trauernde Frauen, die Männer fehlten fast ganz. Auch als er ein eigenes Trauercafé gründete, kamen vor allem Frauen. Die Beschäftigung mit trauernden Männern ist heute ein Schwerpunkt in Martin Kreuels Arbeit, der Tod das Zentrum seines Berufslebens. Martin Kreuels arbeitet als Autor, Referent, Coach und Post-Mortem-Fotograf, er ist ausgebildeter Sterbe- und Trauerbegleiter. Der 48-Jährige bietet Trauersprechstunden und -gruppen für Männer an, hält bundesweit Vorträge und schreibt Aufsätze. Viele Publikationen und Fotografien zeugen von der Welt der Trauer, die auch bunt sein kann. Das beweist etwa ein Bildband von Kreuels, der in Begleitung einer Clownin im Kinderhospiz entstand.


FRAGEN AN DR. MARTIN KREUELS

Wie trauern Männer im Gegensatz zu Frauen und auch Kindern?
Männer haben in ihrer Geschichte gelernt, ihre Gefühle hintanzustellen. Ähnliches machen sie in ihrer Trauer. Sie trauern nach innen, im Gegensatz zu Frauen, die nach außen trauern. Das macht es häufig schwierig, an sie heranzukommen.

Was brauchen Männer in der Trauer?
Es gibt zwischen Männern eine eigene Sprache, die von Frauen häufig nicht verstanden wird. Oftmals findet die Kommunikation auch ohne Worte statt. Männer verstehen das häufig besser als Frauen dies tun. Pauschales hilft auch bei Männern nicht, aber sie benötigen eine andere Ansprache, weil auch ihre Verhaltensweisen anders sind.

Was erfahren Sie von sterbenden Männern?
Männer sind meist zielbewusst und erfolgsorientiert und vergessen dabei allzu häufig das Gefühl. Vielen Männern wird dies am Ende klar.

Post-Mortem-Fotografie war früher üblich. Wie offen ist die Gesellschaft heute dafür?
Bedingt offen, würde ich sagen. Viele Dinge, die früher möglich waren, unterliegen heute einem Tabu. Es wandelt sich nur langsam.

Wofür kann ein solches Bild hilfreich sein?
Das Bild soll ein Teil der Erinnerung, aber auch der Trauerarbeit sein. Das heißt nicht, dass es für jeden etwas ist. Wie empfinden Sie das Thema Tod in der Gesellschaft? Die Gesellschaft hat ein Problem mit dem Tod, weil sie den Tod als Ende betrachtet. Würde sie den Tod nur als eine Tür betrachten, wäre die Auseinandersetzung einfacher.

Kann man sich auf den eigenen Tod und den naher Angehöriger "vorbereiten"?
Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist wichtig, denn sonst beginnt die Arbeit damit erst am Ende. Die Zeit wird dann knapp. Die Niederländer haben beispielsweise in der Schule die Verpflichtung, sich damit auseinanderzusetzen.

Wie können Sie selber die traurigen Gespräche und Anblicke in Ihrem Arbeitsalltag verarbeiten?
Die Gespräche mögen traurig sein, aber ich lerne durch jedes Gespräch hinzu. Es ist wie eine Lebensschule, wo ich lerne und aus meinen Erfahrungen berichten kann. Das hält sich dann die Waage.

Beschäftigen Sie sich selbst mit dem eigenen Tod?
Natürlich beschäftige ich mich damit. Für mich hat die Auseinandersetzung damit etwas sehr Bereicherndes.

Kontakt: E-Mail: kreuels@aradet.de Internet: www.martin-kreuels.de

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AUSGABE 01.2018

 
 

INHALT

 
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     MOBILITÄT IM ALTER  
   TRAUERKULTUR  
     WIE MÄNNER TRAUERN  
   GESICHTER UND GESCHICHTEN  
     BEWEGTES LEBEN  
   GESUNDHEIT & FITNESS  
     DIE KRAFT DER LANGSAMKEIT  
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