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ZEIT & GEIST

Foto: pixabay.com | Copyright-Lizenz: CC0 Creative Commons


AUF GEHT'S, OMA

Mit den Enkelkindern in den Urlaub? Das ist mittlerweile ganz normal ...

Von Jane Kähler

Jedes Jahr fahren Gisela und Horst Lehmann mit ihren Enkeln Mats und Carlotta in den Urlaub. Darauf freuen sich alle - das ganze Jahr über. "Es ist so schön für uns, die beiden mal eine Woche lang ganz für uns zu haben", sagt Oma Gisela, "wir sehen uns sonst so selten." Großeltern und Enkel wohnen im Rheinland, aber etwa 50 km voneinander entfernt. Es ist eine Entfernung, die spontane Besuche vor allem im Alltag zwischen Beruf, Schule, Kindergarten und Hobbys nicht möglich macht. Schon früher kamen der 8-jährige Mats und die 5-jährige Carlotta gern ein paar Tage zu Besuch zu den Großeltern, auch ohne Mama und Papa. Irgendwann kam die Idee, man könne doch auch mal woanders hinfahren - zusammen! "Wir sind ja noch fit", sagt die 63-jährige Oma Gisela, "und die Kinder halten zusätzlich jung!" Außerdem ist der "Generationen-Urlaub" eine tolle Entlastung für die Eltern, denn wie viele Berufstätige stehen auch Mats‘ und Carlottas Eltern gerade vor den langen Sommerferien vor einem Betreuungsproblem.

Was die Lehmanns schon seit Jahren machen, ist ein allgemeiner Gesellschafts-Trend: Laut Tourismusexperte Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven bilden die Großeltern-Enkel-Reisen "ein Marktsegment, das noch an Bedeutung gewinnt. Die ältere Generation ist heute viel rüstiger, reist gerne, nimmt die Enkel mit und macht sich eine schöne Zeit." Ab welchem Alter Kinder zum ersten Mal alleine zu Oma und Opa können oder mit ihnen verreisen dürfen, dafür gibt es keine Regel: Allein die Qualität der Beziehung und das Vertrauen der Eltern sind entscheidend. Fahren Großeltern und Enkel zum ersten Mal gemeinsam in den Urlaub, sollte aber auf jeden Fall ein Ort in der Nähe gewählt werden - im Notfall ist man so schnell wieder da.

Urlaubsziel und Art der Unterkunft sollten wohl überlegt sein, denn Großeltern und Enkel haben unterschiedliche Bedürfnisse, und jeder sollte auf seine Kosten kommen. Kinder wollen viel erleben, doch die Großeltern brauchen auch mal ihre Ruhe. Ein Ferienhaus in einer Ferienanlage ist etwa ein guter Kompromiss, auch Kinderbauernhöfe oder Familienhotels mit eigenen Apartments, wenn man nicht kochen möchte. In Ferienanlagen, kinderfreundlichen Hotels oder auch auf Kreuzfahrtschiffen werden Aktivitäten und Events für Alt und Jung angeboten. Die Kinder finden Gleichaltrige zum Spielen, und Oma und Opa können auch mal verschnaufen. Mats und Carlotta haben mit Oma und Opa schon eine Menge gesehen und erlebt: Einmal ging es in ein Ferienhaus in die Eifel, einmal in ein Kinderhotel im Sauerland oder zum Campen nach Holland. Je älter die Kinder werden, desto weiter und "spektakulärer" werden die Reisen. Gerade planen die Vier sogar eine Kreuzfahrt durch das Mittelmeer. "Da möchten unsere Kinder aber sicher auch mit", lacht Gisela Lehmann. Auch das Reisen mit drei Generationen wird zum Trend. Gemeinsame Ferien sind heute oft auch Familientreffen von Verwandten, die zu weit entfernt voneinander wohnen, um sich oft zu sehen. "Familie als Erlebnis" nennt Tourismusexperte Prof. Torsten Kirstges dieses Phänomen. Die Verwandten-Reisegruppen fordern die Tourismusbranche, denn sie brauchen mehr Platz und den am besten in unmittelbarer Nähe zueinander. An typischen Familienzielen wie Mallorca sind immer mehr Großfamilien- Apartments im Angebot - mit bis zu drei Schlafzimmern. Auch große Ferienhäuser mit vielen Schlafzimmern - wie in Dänemark zu finden - sind beliebt. Viele Mehr-Generationen-Reisende schätzen es auch, zwei oder mehrere Apartments oder Ferienhäuser in Laufnähe zu bewohnen. Doch am Ende kann man auch nicht alles planen - wie etwa das Wetter: "Wir haben gelernt, gerade in Ferienwohnungen auch für Regentage vorzusorgen", erzählt Gisela Lehmann, "wir nehmen immer Bücher, Malsachen und Spiele mit."

ANDERS CAMPEN

Wenn die Enkel Zelten lieben, den Großeltern "normales" Campen aber zu anstrengend, laut und ungemütlich ist, dann ist "Glamping"(="Glamorous Camping") vielleicht genau das Richtige. Bei dem "Luxus-Campen" genießt man die gemütliche, naturnahe Atmosphäre des Campens, wohnt aber in komfortablen festen Lodge-Zelten oder Holzhütten. Man schläft auf weichen Matratzen und hat eine eigene Toilette in greifbarer Nähe. Kennenlernen kann man diese Art des Urlaubs zum Beispiel bei "WiesenBett": Das Unternehmen bietet Glamping-Unterkünfte auf 67 Bauernhöfen in ganz Europa. Wie in guten alten Zeiten gibt es keinen Strom, geheizt und gekocht wird mit dem gemütlichen Holzofen im Zelt, und Kerzen erhellen das Zelt. Auf den Bauernhöfen gibt es frische Eier, Brot, Milch und Gemüse aus eigener Produktion. Und nicht nur die Tiere und die Umgebung wollen entdeckt werden ...

GENERATIONEN GEMEINSAM UNTERWEGS

Interview mit Prof. Dr. Martin Linne, Professor für Hospitality Management an der Hochschule Harz sowie Geschäftsführer der Gesellschaft für Tourismus- Forschung

Wird das Reisen in der Kombination Großeltern- Enkel zum gesellschaftlichen Trend?
Wir erleben seit langem einen extremen demographischen Wandel, der auch Familienstrukturen betrifft. Auf Reisen können Großeltern die Beziehung zu ihren Enkeln pflegen und vertiefen. Gleichzeitig können die Eltern entlastet werden. Auch finanzielle Aspekte können dabei eine Rolle spielen. Welche Bedeutung hat das Reisen als Großfamilie? So kann die klassische Großfamilie, die es aufgrund des demographischen Wandels im Grunde nicht mehr gibt, zumindest auf Zeit nachempfunden werden. Reisen können ein Anlass für Familientreffen sein.

Wie stellt sich die Tourismus-Branche auf solche Reisenden ein?
Es werden immer mehr Angebote auf den Markt gebracht, die den Ansprüchen des generationenübergreifenden Reisens gerecht werden. Reiseveranstalter, Urlaubsorte und Unterkünfte entwickeln so passende Angebote für die spezifischen Bedürfnisse der reisenden Großfamilie.

Welche Ziele und Unterkünfte bieten sich für "Oma- Opa-Enkel-Reisen" an?
Das klassische Hotel scheidet hier fast aus. Ferienwohnungen oder Ferienhäuser bieten den Vorteil, das Familienleben persönlicher, individueller nachzuempfinden. Reiseziele sollten einen Mix aus unterschiedlichen Aktivitäten bieten, damit jede Altersgruppe auf ihre Kosten kommen kann. Beliebt sind etwa auch Kreuzfahrten.

Welche anderen Tipps haben Sie für diese Form des Reisens?
Die Reisenden sollten beachten, dass die Nähe, die mit der Reise verbunden ist, oft auch zu Belastungen führt, weil man es einfach nicht mehr gewohnt ist, über unterschiedliche Altersinteressen hinweg zusammen zu leben. Als wichtigsten Tipp empfehle ich, Ziele, Unterkünfte und Angebote danach auszuwählen, dass auch die Möglichkeit für einen Rückzugsort gegeben ist. Das Ferienhaus sollte nicht nur einen Hauptaufenthaltsbereich haben, sondern verschiedene Möglichkeiten bieten, Zeit gemeinsam und allein verbringen zu können. Kreuzfahrten sind diesbezüglich optimal, weil an Bord alle unterschiedlichen Möglichkeiten der Gemeinsamkeit und des Rückzugs geboten werden.

Webseite: www.gftf.de

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AUSGABE 02.2018

 
 

INHALT

 
   ZEIT & GEIST  
     AUF GEHT'S, OMA  
   TRAUERKULTUR  
     DER SOS NOTFALLORDNER  
   GESICHTER UND GESCHICHTEN  
     QUEEN OF POP  
   GESUNDHEIT & FITNESS  
     DIE WELT DER SMOOTHIES  
   FREIZEIT & REISEN  
     IMMER AM FLUSS  
       EDITORIAL  
     DIE ASCHE DER VERSTORBENEN BLEIBT ZURÜCK  
   FORUM  
     AETERNITAS INFORMIERT  
   AUS DER BERATUNG  
     HILFE FÜR MITGLIEDER

 
 
 

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