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ZEIT & GEIST

Foto: pixabay/Free-Photos | Copyright-Lizenz: CC0 Creative Commons


LESEFREUDEN

Herbstzeit ist Lesezeit: Nicht nur auf der größten Buchmesse in Frankfurt können im Oktober viele tolle neue Bücher entdeckt werden.

Von Jane Kähler

Der Herbst ist wie gemacht für Leseratten, nicht nur wegen der wichtigsten Buchmesse, die alljährlich die Fach- und Leserwelt nach Frankfurt am Main lockt, sondern auch, weil es sich - wenn es draußen dunkler und kälter ist - viel gemütlicher lesen lässt. Wir stellen Ihnen hier ein paar der besten Neuerscheinungen des Jahres 2018 in verschiedenen Genres vor.

Belletristik
René Freund: Ans Meer.
Deuticke Verlag 2018, 144 Seiten, 16 Euro

Busfahrer Anton fährt jahraus, jahrein seinen Bus auf immer derselben Linie entlang. Die Menschen, die einund aussteigen, tun das genauso verlässlich wie seine Mutter mehrmals am Tag nach seinem Wohlergehen fragt - natürlich punktgenau in seinen Fahrpausen. Anton kennt die Menschen, die mit ihm fahren, ihre Schicksale und Eigenheiten, der Jugend hat er beigebracht, zumindest "Guten Morgen!" zu sagen. Doch eines Tages ist bei Anton plötzlich nichts mehr "auf Linie". Alles beginnt damit, dass er bei seinem Schwarm, der Nachbarin Doris, ein Männerhusten auf dem Balkon hört. Kurz danach steigen die krebskranke Carla und ihre Tochter bei ihm ein, mit einem ganz speziellen Fahrziel: dem Meer. Während Doris über ihre Beziehung mit Anton sinniert, fahren Anton und seine Fahrgäste bereits von der Linie ab und haben so manches zu besprechen. Der knallgelbe, in die Jahre gekommene Linienbus rollt Richtung Italien, und das ist nicht allen recht … Die Geschichte ist abwechselnd aus Antons und aus Doris’ Perspektive geschrieben. Stellenweise wähnt man sich in einem Kinderbuch, so einfach und klar wirken die Sprache und die Handlung des Buches. Doch gerade dadurch entwickelt sich die Poesie der Geschichte. Das Buch liest sich einfach und schnell, ist dabei aber philosophisch, humorvoll und spannend. "Ans Meer" ist ein modernes Märchen - mit einem Busfahrer als Helden anstelle eines Ritters.

Krimi
Camilla Läckberg: Die Eishexe. List 2018, 752 Seiten, 22 Euro

In Fjällbacka, einem beschaulichen kleinen Ort an der Westküste Schwedens, wird ein kleines Mädchen vermisst. Umso dramatischer, dass vor 30 Jahren vom selben Hof ein kleines Mädchen verschwand, das tot aufgefunden wurde. Der Fall von damals wurde nie geklärt, nachdem die zwei Teenager Marie und Helen ihre Schuld gestanden und kurz danach ihr Geständnis widerrufen hatten. Marie, mittlerweile eine bekannte Filmschauspielerin, ist nach Jahrzehnten gerade in den Ort zurückgekehrt. Nur ein Zufall? Auch die Bewohner des Flüchtlingsheimes am Ort werden zur Zielscheibe von Anschuldigungen und tatsächlich findet man hier bald ein wichtiges Indiz … Hauptkommissar Patrik Hedström, selbst Familienvater und in Fjällbacka verwurzelt, macht der Fall auch emotional zu schaffen, aber er bekommt (wie immer) Hilfe von seiner Frau, der Schriftstellerin Erica Falck, die ein Buch zu dem Fall von damals schreiben wollte und bereits recherchiert hat. Die Schweden-Krimis um Hauptkommissar Patrick Hedström und seine Frau Erica Falck aus dem beschaulichen Fjällbacka sind mittlerweile weltbekannt. "Die Eishexe" ist bereits der zehnte Band. "Die Eishexe" spielt in drei verschiedenen Zeiten, der Gegenwart, der Vergangenheit - zur Zeit des ersten Kindsmordes - sowie im 17. Jahrhundert zur Zeit der Hexenverfolgung. Viel Gesellschafts- und Sozialkritik kommt in den Verwicklungen um die örtliche Flüchtlingsunterkunft zum Tragen. Dieser Krimi ist geprägt von vielen kurzen Kapiteln, Perspektiv- und Zeitenwechseln. Wer das mag, wird mit der "Eishexe" spannend unterhalten.

Kinderbuch
Maria Jönsson: Erbsenalarm.
Hanser 2018, 30 Seiten, 12 Euro, ab 3 Jahren

Papa hat für Valdemar und Linn Essen gemacht. Es gibt Fischstäbchen und Erbsen, und ein Problem: Valdemar liebt Fischstäbchen, aber er hasst Erbsen. Also lässt er sie liegen. Das gefällt Papa aber nicht, denn von Erbsen bekommt man doch so schöne lange Ohren. Und wer seinen Teller leer isst, der bekommt außerdem ein Schokoeis. So wie Linn. Und Linn hat noch etwas Gutes: Sie liebt Erbsen ...
Dieses Thema kennen (Groß-)Eltern nur zu gut: Gemüse lieben die wenigsten Kinder, aber Eis - das geht immer! In einfachen Worten erzählt dieses Bilderbuch die Geschichte vom gewitzten Wölfchen Valdemar. Die reduzierten, comicartigen Bilder versprühen Humor und Leichtigkeit, denn anders kann man dieses Thema gar nicht vermitteln. Absolut pädagogisch unkorrekt, aber sehr lustig! Maria Jönsson hat bereits ein anderes (Reiz-) Thema der Kindererziehung humorvoll verarbeitet: "Schnulleralarm" heißt das Bilderbuch über Valdemars Schnuller-Entwöhnung.

Sachbuch
Bruno Preisendörfer: Die Verwandlung der Dinge.
Galiani Verlag, 272 Seiten, 20 Euro

Dieses Sachbuch ist eigentlich gar keines. Zu persönlich und lebendig ist die "Zeitreise zu den Dingen", auf die Bestseller-Autor Bruno Preisendörfer seine Leser mitnimmt. Er rekonstruiert die Kulturgeschichte der Medien (Schrift, Ton und Bewegtbild) seit 1950 anhand seiner persönlichen Biografie. Da sind die Schiefertafel, der Taschenrechner, die Schreibmaschine, die Langspielplatte, der Röhrenfernseher oder die Wählscheibe. Was haben sie mit uns gemacht, und was ist aus ihnen geworden? Es entsteht eine lebendige Erinnerung mit allen Sinnen, an Dinge, die verschwanden, weil sie durch andere ersetzt wurden. Preisendörfer zeigt das Erinnern als Teil der persönlichen Geschichte eines jeden, aber auch die rasante technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte und verdeutlicht nicht zuletzt die Veränderungen im sozialen Gefüge der Gesellschaft. Der Streit ums Telefon etwa hat ein Ende, wenn jedermann ein eigenes Handy hat. Oder wer erinnert sich noch an die Freude, wenn endlich mal "das Lied" im Radio lief? "Die Verwandlung der Dinge" ist sowohl unterhaltsam, als auch lehrreich, witzig und philosophisch. Ein bisschen Nostalgie ist immer dabei, aber Preisendörfer verherrlicht die Dinge der Vergangenheit nicht, er bleibt wertfrei, offen und neugierig für alles Neue. Ein Anmerkungsverzeichnis, eine Quellenübersicht, ein Glossar, eine Zeittreppe sowie ein Personenregister runden das Buch ab.

Kochbuch
One Pot. Die 55 einfachsten Wohlfühl-Rezepte.
Christian Verlag 2018, 128 Seiten, 14,99 Euro


"One Pot" heißt der neue Trend unter Hobby- und Profiköchen und meint, dass man alle Zutaten in nur einem Topf gart und zubereitet. Wie beim Namensvetter "Eintopf" landen also alle Zutaten in einem Topf, jedoch ohne allzu viel Schnippeln und mit Fokus auf Geschmack und Gesundheit. Und mit einem einzigen Topf lassen sich köstliche und vielseitige Mahlzeiten zubereiten wie das Kochbuch "One Pot" beweist. Ob Rustikale Brotsuppe, Hackbällchen-Tagliatelle, Karibischer Reiseintopf, Irish Stew oder Kirsch-Ofenschlupfer: Der "One Pot" kann verschiedenste Suppen, Pasta-, Reis-, Getreideund Kartoffelgerichte und sogar Süßspeisen. Auch Kochund Abwaschmuffel kommen auf ihre Kosten, denn die meisten Gerichte sind in 15 Minuten fertig und beim Abwasch wartet: ein Topf. Ein Register zeigt den Gesundheitsfaktor der einzelnen Zutaten.

Bildband
Ferdinand Graf Luckner, Konstanze Neubauer: Gärten des Jahres. Die 50 schönsten Privatgärten.
Callwey 2018, 264 Seiten, 59,95 Euro

Fünzig wunderschöne und lehrreiche Gartenportraits
bietet dieser opulente Bildband. Die Gärten sind allesamt Preisträger des Wettbewerbes "Gärten des Jahres 2018". Alljährlich reichen Landschaftsarchitekten, Gartengestalter sowie Garten- und Landschaftsbauer ihre besonders gelungenen Privatgärten ein. Die prämierten Gärten werden in diesem Buch vorgestellt. Die Bilder stammen vom Fotografen Ferdinand Graf Luckner, im Vorwort des Bandes vermittelt er die Besonderheiten und Beziehungen von Gärten und seiner Fotografie. Neben den beeindruckenden Bildern werden die Preisträger-Gärten in ausführlichen Plänen, Beschreibungen und der Auswahl der Pflanzen erläutert und gezeigt. Die Gärten sind dabei sehr vielfältig: Der kleinste vorgestellte Garten ist 192 m2 groß, der größte Garten stolze 13.000 m2. Von naturnahen historischen Bauerngärten zu modernen Designergärten, von romantischen Wassergärten bis formalen Parkanlagen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auch für Menschen, die einfach nur Gärten lieben und sich keinen Gartenplaner leisten können, bietet der Bildband tolle Inspirationen, denn neben den herrlichen Bildern gibt es viel fachkundige Information zur richtigen Pflanzung und Gartenplanung. Die Geschmäcker sind verschieden, aber jeder der vorgestellten Gärten bietet private Einblicke, ist etwas ganz besonderes und bildet für sich ein kleines (oder großes) Paradies.

DEUTSCHE BUCHMESSEN

Die Frankfurter Buchmesse ist mit fast 300.000 Besuchern und 7300 Ausstellern aus mehr als 100 Ländern die größte und bedeutendste Buchmesse der Welt. Jedes Jahr im Oktober sind rund 400.000 Titel auf einer Ausstellungsfläche von rund 172.000 m2 zu sehen. Mehr als 500 Jahre schon währt die Geschichte der Buchmesse. Der Buchdruck, von Johannes Gutenberg in der Nachbarstadt Mainz erfunden, machte Frankfurt maßgeblich zum führenden Handelsplatz für Bücher. Im 16. Jahrhundert blühte das Messewesen, mit ihm auch andere Buchmessen und die Konkurrenz: Bald hatte die Leipziger Buchmesse Frankfurt den Rang abgelaufen. Nach dem 2. Weltkrieg gewann Frankfurt wieder an Bedeutung, bald stellten ausländische Verlage die Mehrheit, und die Frankfurter Buchmesse wurde zur ersten internationalen Veranstaltung ihrer Art. Seit 1988 steht die Literatur eines Gastlandes im Mittelpunkt der Buchmesse; 2018 ist es Georgien. Auf der Frankfurter Buchmesse werden auch wichtige Preise wie der Deutsche Buchpreis, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels oder der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Die Messe zeigt heute nicht mehr ausschließlich Bücher: Software- und Multimedia-Anbieter gehören zu den Ausstellern sowie Verlage für Spiele und Hörbücher.
Die Leipziger Buchmesse ist die zweitgrößte Buchmesse Deutschlands: 2635 Aussteller aus 46 Ländern präsentieren sich auf 106.000 m2. Alljährlich im März präsentiert die Leipziger Buchmesse die Neuerscheinungen des Frühjahrs und ist damit erster großer Branchentreff des Jahres. Der Aufstieg der Leipziger Buchmesse begann im 17. Jahrhundert. 1632 übertraf die Zahl der vorgestellten Bücher erstmals die der Buchmesse in Frankfurt. Auch im 18. Jahrhundert bildete Leipzig das Zentrum des deutschen Buchhandels. In der DDR wurde Leipzig ein wichtiger Treffpunkt für die Branche aus Ost und West, denn ab 1952 waren auch westliche Verlage vertreten. Die DDR-Verlage waren abhängig von der Papierzuteilung und die Buchhändler von der gedruckten Auflage. Seit der Wende und dem Umzug auf das neue Messegelände 1998 wächst die Leipziger Buchmesse stetig. Die Buchmesse gilt als familiäre, entspannte Publikumsmesse, denn im Unterschied zur Frankfurt gibt es keine Fachbesucher-Tage und jeder hat ständig Zugang. Seit 1995 findet parallel auch die Leipziger Antiquariatsmesse statt. Ebenfalls parallel zur Buchmesse findet Europas größtes Lesefest "Leipzig liest" mit rund 3600 Veranstaltungen an 550 Leseorten statt.

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AUSGABE 03.2018

 
 

INHALT

 
   ZEIT & GEIST  
     LESEFREUDEN  
   TRAUERKULTUR  
     "WENN IHR WÜSSTET!"  
   GESICHTER UND GESCHICHTEN  
     DER BALL-ZAUBERER  
   GESUNDHEIT & FITNESS  
     HEILENDE HÄNDE  
   FREIZEIT & REISEN  
     DER STOLZ PORTUGALS  
       EDITORIAL  
     BESTATTUNGS-WÜNSCHE SIND VERTRAUENSSACHE  
   FORUM  
     AETERNITAS INFORMIERT  
   AUS DER BERATUNG  
     HILFE FÜR MITGLIEDER

 
 
 

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