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TRAUERKULTUR

Foto: pixabay.com/Free-Photos | Copyright-Lizenz: CC0 Creative Commons


ABSCHIED VON FREUNDEN

Wenn geliebte Tiere sterben, gibt es Raum, die eigene Trauer zu gestalten und zu leben.

Von Jane Kähler

Als der Familienhund, Golden Retriever Bille, mit 14 Jahren starb, war für Familie Knoop klar, dass er beerdigt werden sollte. Die Familie wünschte sich einen Ort, an dem man sich an ihn erinnern konnte. "Er war ein Familienmitglied, er ist mit den Kindern zusammen aufgewachsen", berichtet Beate Knoop, "wir trauern um ihn wie um einen engen Verwandten. Warum sollten wir ihn da anders behandeln?" Bille wurde im Garten beigesetzt, hat einen schönen Grabstein und ein Blumenbeet. Wie Familie Knoop verspüren viele Tierbesitzer den Wunsch, ihrem Begleiter einen würdigen Abschied zu bereiten und einen Ort für die eigene Trauer zu schaffen. Heute gibt es mehr als hundert Tierfriedhöfe in Deutschland. Zu den Tierfriedhöfen kommen etwa 25 Tierkrematorien und rund 160 Tierbestattungs- Unternehmen. Laut Bundesverband der Tierbestatter e.V. sterben rund 1,3 Millionen Hunde und Katzen pro Jahr, von denen rund die Hälfte auf Privatgrundstücken beerdigt werden. Rund 80.000 Tiere werden in Krematorien eingeäschert und 10.000 auf einem Tierfriedhof beigesetzt. Dabei sollte man sich aber auch über die Kosten im Klaren sein. Ein 60 x 100 Zentimeter großes Grab verursacht z. B. Pflegekosten von etwa 75 Euro pro Jahr, etwa 125 Euro kostet die Beisetzung. Für eine Einzelkremierung für eine Katze oder einen kleinen Hund bezahlt man etwa 200 bis 300 Euro plus Urne. Wegen der hohen Nachfrage sind seit 2015 auch gemeinsame Bestattungen von Mensch und Tier in Deutschland möglich. Zurzeit bieten zwei Friedhöfen (Essen und Braubach) Urnengräber für Mensch und Tier, weitere Standorte folgen. Dabei erfolgen die Überführung und Einäscherung der Verstorbenen getrennt nach Mensch und Tier.

DER TIERBESTATTER

Roland Merker ist Gründer und Geschäftsführer von ANUBIS- Tierbestattungen. Das Unternehmen hat 21 Vertretungen bundesweit, einen eigenen Tierfriedhof sowie zwei Tierkrematorien und gehört zu den größten und ältesten Tierbestattungsunternehmen Deutschlands.

Wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Unternehmen zu gründen?

Als der Zwergpudel meiner Tante krank wurde und sie eine damals eher seltene Sendung über Tierverwertung sah. Dabei wurde gezeigt, wie Tiere eingesammelt, nach gesetzlicher Vorschrift gehäckselt und weiter zu Tiermehl verarbeitet wurden. Meine Tante wollte für ihren Pudel natürlich eine Alternative. Leider gab es zu dieser Zeit keine, wie z. B. die Einäscherung von Tieren. Wir hatten gerade unsere Hündin bekommen, und uns war klar, dass wir irgendwann vor dem gleichen Problem stehen würden. Das war der Ursprung unserer Idee, Alternativen zur Tierverwertung anzubieten. So entstand im Jahr 1997 ANUBIS-Tierbestattungen.

Wie gestaltet sich die typische Tierbestattung?

In der Regel wünscht sich der Tierhalter eine Einzeleinäscherung seines Tieres. Hierbei hat er die Möglichkeit, die Asche seines Lieblings in einer ausgewählten Urne mit nach Hause zu 10 nehmen. Neben der Einzeleinäscherung, welche heute rund 85 % aller Bestattungen ausmacht, kann der Tierhalter auch eine Sammeleinäscherung wählen. Dabei werden mehrere Tiere gemeinsam eingeäschert und die Asche in ein anonymes Sammelgrab verbracht. Es gibt auch die Möglichkeit einer "Sofort-Einzeleinäscherung" (am gleichen oder am nächsten Arbeitstag) oder einer Termin-Einzeleinäscherung. Bei der Termin-Einzeleinäscherung kann sich der Tierhalter in Ruhe von seinem Tier verabschieden und über Monitor den Beginn der Einäscherung verfolgen.

Wie hat sich die Tierbestattung in den letzten Jahren entwickelt?

Anfang 2000 hatten wir noch rund 65 % Sammeleinäscherungen und 30 % Einzeleinäscherungen sowie 5 % Erdbestattungen auf unserem Tierfriedhof. Heute sind es 85 % Einzeleinäscherungen und 15 % Sammeleinäscherungen. Die Nachfrage nach leiblichen Erdbestattungen ist kaum mehr vorhanden. Die Tierhalter möchten keine Gräber mehr, auch keine anonyme Sammeleinäscherung. Sie wünschen sich ihren Liebling zu Hause in einer Urne oder möchten die Asche im Garten begraben. Den Wunsch nach einem individuellen Abschied spürt man auch in der zunehmenden Nachfrage, aus der Asche einen Diamanten als bleibende Erinnerung anfertigen zu lassen. Wie groß ist das Bedürfnis nach Trauerbewältigung? Sehr groß. Ein Tier ist ein Partner, der nicht mehr wie früher einem Zweck diente, sondern ein fester Bestandteil des Zusammenlebens ist. Dies sehen wir bei unserem kostenfreien Angebot des virtuellen Tierfriedhofs und innerhalb unseres Trauerforums. Dort begegnen sich Menschen, die von ihrem Tier Abschied nehmen mussten. Sie sind mit ihrem Schmerz oftmals alleine und suchen Hilfe bei Gleichgesinnten. Mitglieder unseres Forums treffen sich ein- bis zweimal im Jahr auf unserem Tierfriedhof, um über ihren Verlust zu sprechen und Kontakte zu knüpfen. Einige ANUBIS-Partner bieten regional einen "Treffpunkt für trauernde Tierfreunde" an, was rege angenommen wird.

GESETZLICHE BESTIMMUNGEN

Tierkörper und -aschen dürfen nicht auf öffentlichem Grund, an öffentlichen Wegen und Plätzen, auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen sowie in der Nähe von Wasserschutzgebieten vergraben oder verstreut werden.
  • Tierbestattungen auf dem eigenen Grundstück bedürfen bei größeren Tieren der Erlaubnis des zuständigen Veterinäramtes, welches diese in der Regel gestattet, sofern das Tier nicht an einer meldepflichtigen Krankheit gestorben ist. Bestattungen kleinerer Tiere sind nicht genehmigungspflichtig.
  • Das Grab darf nicht auf einem Grundstück liegen, das zu einem Wasser- oder Naturschutzgebiet gehört. Ebenso muss ein Abstand von ein bis zwei Metern zu öffentlichen Wegen eingehalten werden.
  • Die Tierkörper müssen bei einer Erdbestattung mit mindestens einem halben Meter Erde bedeckt sein.
  • Särge, Urnen und sonstige Behältnisse müssen im Boden verrotten können.
  • Die Entsorgung größerer Tiere über den Hausmüll ist nicht legal. Diese müssen mindestens zu Tierkörperbeseitigungsanlagen gebracht werden.




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