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GESICHTER & GESCHICHTEN

Tina Turner NIA Birmingham, Foto: Philip Spittle | Copyright-Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic


DER KAMPF EINER IKONE

Aufgeben kam für sie nie infrage. Zu ihrem 80. Geburtstag blickt Tina Turner auf ein Leben voller Höhen und Tiefen zurück.

Von Nina Ernst

er ultimative Beweis, dass man es im Show- Business zu etwas gebracht hat? Ein eigenes Musical. Kaum ein anderes Prädikat bescheinigt einem Künstler derart eindrucksvoll, dass er mehr ist als bloß erfolgreich. Nachdem Rockröhre Tina Turner bereits unzählige Auszeichnungen gesammelt und 180 Millionen Tonträger verkauft hat, krönt sie das Musical "Tina", das in diesem Jahr seine Deutschlandpremiere feierte, nun offiziell zur Legende. Sicher war es neben ihrem Erfolg auch Tinas Lebensgeschichte, die den Ausschlag zu dem Musical gab. Schließlich bieten all die Höhen und Tiefen der vergangenen 80 Jahre jede Menge Stoff für eine Bühneninszenierung. Und beide sind extrem, selbst für einen Rockstar. Während die Höhen ihr unter anderem in Form des größten Solokonzerts der Musikgeschichte einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde einbrachten, erlitt sie immer wieder private Dramen, aus denen sie sich herauskämpfte. "Was Liebe damit zu tun hat", sang Turner 1984 in ihrem preisgekrönten Song. Laut der Rockqueen am Ende jede Menge: "Liebe hat mein Leben gerettet", kündigt sie ihre Autobiographie "My Love Story" an. Doch auch Mut spielt anscheinend eine bedeutende Rolle in ihrem bewegten Leben. Der Mut, neu anzufangen, sich aus den Trümmern des Vergangenen herauszuboxen.

Schon als Kind liebt Anna Mae Bullock die Musik. Die am 26. November 1939 in Tennessee Geborene singt leidenschaftlich im Kirchenchor. Es folgt eine schwierige Zeit, in der Anna Mae zum ersten Mal lernen muss, zu kämpfen. Und einfach weiterzumachen, wie groß die Turbulenzen auch sind. Ihre Eltern trennen sich, sie lebt bei ihrer Großmutter und zieht 1955 zu ihrer Mutter. Anna Mae beißt sich durch. Später tritt in Nachtclubs auf. Und beeindruckt dabei 1958 den Mann, der sie später in die Schlagzeilen bringen soll: Ike Turner. Es scheint wie eine glückliche Fügung, als Ike sie als Backgroundsängerin für seine Band "Kings of Rythm" engagiert und sie kurzerhand als Leadsängerin einspringt, als Sänger Art Lassiter ausfällt. Für Werbezwecke erhält sie den Namen Tina. Die beiden werden ein Paar und gehen als "Ike & Tina" auf Tournee. Mit großem Erfolg. Auch privat scheint alles rosig: Sie bekommen ein Kind und heiraten 1962. Doch je glamouröser es scheint, umso mehr spitzt sich die Lage insgeheim zu. Ike misshandelt Tina, immer wieder. Sie benötigt fast 15 Jahre, aber sie schafft es, 1976 den Schlussstrich zu ziehen. Tina trennt sich von ihrem Mann. Noch heute sagt sie, sie weiß nicht, ob sie dem inzwischen verstorbenen Ike die schreckliche Ehe je verzeihen kann. Ihr Rezept, die Zeit durchzustehen: "Ich habe einfach weitergemacht." Privat wie beruflich. Nahtlos anschließen an die Erfolge kann Tina Turner solo nicht. Sie spielt vor wenigen hundert Zuschauern. Wieder beißt sie sich durch. Und fängt ganz von vorne an.

Ab 1979 geht es mit Hilfe ihres neuen Managers bergauf. Tina bekommt Gastauftritte bei Tom Jones und Rod Stewart, spielt im Vorprogramm der Rolling Stones. In den 80ern ist sie schließlich nicht mehr zu bremsen. Tina führt mit dem Album "Private Dancer" die Charts an, bekommt im Jahr 1985 gleich drei Grammy Awards auf einmal und spielt im Film "Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel" mit. 1988 tritt sie in Rio de Janeiro vor 188.000 Menschen auf. Ein Weltrekord. Trotzdem stecken in der erfolgreichen Power-Frau Zweifel. Zumindest, was das Eingehen einer neuen Beziehung anbelangt. Bis sie den Kölner Musikproduzenten Erwin Bach kennenlernt, mit dem sie heute in der Schweiz lebt. Nachdem Tina all ihren Mut zusammennimmt, sind die beiden ab Anfang der 90er-Jahre ein Paar und seit 2013 verheiratet. Endlich scheint alles perfekt im Leben der Rock-Ikone. Doch drei Wochen nach der Hochzeit der Schock: Turner kann nicht mehr alleine stehen. Ein Schlaganfall. Wie immer beißt sie sich durch. 2016 ein neuer Schicksalsschlag: Diagnose Darmkrebs, und später Nierenversagen. Diesmal beißt sie sich nicht alleine durch; es ist ihr Mann, der ihr Leben rettet: mit einer Spender-Niere.

Im vergangenen Jahr klopft wieder das Schicksal an Turners Tür. Craig, ihr Sohn aus einer früheren Beziehung, hat sich erschossen. Der Schock sitzt tief. Ob sich eine Mutter durch solch eine Tragödie durchbeißen kann? Wenn es jemand vermag, so ist das Tina Turner. Inzwischen im Ruhestand hat sie laut ihrer Autobiographie ein neues Abenteuer zu bestehen: ein medizinisches. Hier wird sie hoffentlich ihrer Devise folgen: einfach weitermachen.



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