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Foto: Aeternitas


DER LETZTE FUSSABDRUCK

Mit der "Grünen Linie" setzt ein Netzwerk von Bestattern auf ein nachhaltiges Bestattungskonzept.

Von Alexander Helbach

Auch bei Bestattungen rücken ökologische Fragen immer stärker in den Vordergrund. Diesen Trend nahm bereits ab dem Jahr 2016 das Bonner Bestattungshaus "Hebenstreit und Kentrup" auf und entwickelte die "Grüne Linie". Mittlerweile ist aus der Idee ein ganzes Netzwerk von bundesweit weit über 50 Bestattungsbetrieben entstanden.

Mit der "Grünen Linie" sollen vor allem diejenigen angesprochen werden, die schon zu Lebzeiten bemüht sind, im Einklang mit der Umwelt zu leben (zumindest so gut es eben geht), und ihren "ökologischen Fußabdruck" auch bei der Bestattung im Blick haben möchten. Bei der Beratung stehen deshalb insbesondere ökologische Aspekte im Mittelpunkt. Ob dann am Ende eine Erd- oder eine Feuerbestattung steht, ist nicht vorgegeben. Beide Varianten sind möglich.

Bei den angebotenen Produkten setzen die Bestatter der "Grünen Linie" unter anderem auf Särge, die nur aus einheimischer, nachhaltiger Produktion stammen und deren Holz FSC- oder PFC-zertifiziert ist. Oberflächen werden nicht lackiert, sondern nur geölt oder gewachst. Für die Innenausstattung der Särge wird auf übliche Folien und Auskleidungen aus Materialien wie Plastik und Polyester verzichtet, die im Boden nicht vergehen. An deren Stelle rücken zum Beispiel geöltes Papier, Hanf, Filz, Schafwolle, Leinen und Baumwollstoffe. Alles ist zu einhundert Prozent biologisch abbaubar. Gleiches gilt für die Sargwäsche. Urnen werden aus Keramik, Holz oder Pappmaché angeboten, jeweils regional in Deutschland hergestellt. Die Kleidung der Verstorbenen soll möglichst wenig Schadstoffe enthalten und biologisch abbaubar sein. Trauerbriefe und Trauerkarten können aus FSC-zertifiziertem oder Recyclingpapier geliefert werden.

Nachhaltigkeit zeigt sich darüber hinaus in der Auswahl nah gelegener Friedhöfe. Hier stellt die "Grüne Linie" deren Vorzüge bezüglich der guten Infrastruktur mit kurzen und damit emissionsarmen Überführungsfahrten für die Bestatter und kurzen Anfahrtswegen für die Trauergäste und Angehörigen heraus. Darüber hinaus wird die Funktion des Friedhofs als Biotop mit vielfältigem Baumbestand und großer Artenvielfalt betont - neben seinem sozialen, kulturellen und historischen Stellenwert. Ein zentrales Ziel der Initiative ist es, das Potential der Friedhöfe mit ihrer ökologischen Vielfalt zu stärken. Zum Angebot im Rahmen einer nachhaltigen Bestattung zählen aus regionalen Steinsorten gefertigte Grabmale, um lange Transportwege und unfaire Arbeitsbedingungen zu vermeiden. Dazu kommt die Verwendung möglichst einheimischer, in der Nähe und passend zur Jahreszeit produzierter Pflanzen für Blumenschmuck und Grabgestaltung. Hier liegt der Fokus darüber hinaus auf der Insekten- und Bienenfreundlichkeit. Langlebige Pflanzen mit wenig Gießaufwand werden bevorzugt.

Die Idee der "Grünen Linie" wurde auch schon mit Preisen bedacht. 2019 erhielt sie einen Sonderpreis beim Wettbewerb "Die Lieferkette lebt. Lieferketten gestalten, biologische Vielfalt erhalten". Dieser wurde unter anderem vom Bundesumweltministerium und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) initiiert und würdigt das Engagement von Unternehmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Lieferkette. 2017 wurde das Konzept mit dem 1. Platz des European Funeral Innovation Award ausgezeichnet.

Gemeinsam sind die "Grüne-Linie"-Partner Mitglied in der Initiative "Biodiversity in Good Company e.V.". In dieser haben sich Unternehmen zahlreicher Branchen zusammengeschlossen, um sich für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der weltweiten Biodiversität zu engagieren. Damit leisten sie einen Beitrag zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD). Ziel ist es, den dramatischen Verlust an Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt aufzuhalten.

Stillstand gibt es bei der "Grünen Linie2 nicht. Das Konzept wird stets weiterentwickelt, immer wieder werden neue Ideen und Rechercheergebnisse durchdacht und nach Möglichkeit umgesetzt. Für die Zukunft planen die Initiatoren, neben der ökologischen noch stärker die soziale Nachhaltigkeit wie zum Beispiel die Arbeits- und Herstellungsbedingungen in den Mittelpunkt zu stellen. Gesellschaftlich verantwortliches Handeln bei den einzelnen Betrieben soll somit zum Teil der Marke werden. Auch eine neue Webseite ist in Arbeit, auf der sich ab Herbst unter anderem die regionalen Bestattungspartner umfassend präsentieren können.

Kontakt:

E-Mail: info@abschiednehmen.de
Internet: https://gruene-linie.net
Tel.: 0228 / 911820

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