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GESICHTER & GESCHICHTEN

Tigerente (Janosch) Foto: pixabay.com/Efraimstochter | Copyright-Lizenz: CC0 Creative Commons


DER VATER VON TIGER & BÄR

Was Astrid Lindgren für Schweden ist, ist Janosch für Deutschland. Etliche Kindergenerationen sind mit der Tigerente, Bär & Tiger und ihren Freunden aufgewachsen und tun es noch heute.

Von Jane Kähler

Janoschs 150 bis 300 Bücher sollen zwölf Millionen Mal verkauft und in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden sein. Über den Kinderbuchautoren wird der Künstler oft vergessen. "Janosch ist eigentlich ein Maler, ein Zeichner";, sagt Janosch-Verleger Hans Joachim Gelberg, "dass er zur Sprache gefunden hat, war ein langer Weg. (...)."

Janosch kommt 1931 als Horst Eckert in Oberschlesien zur Welt. Der Mann, der Kinder zum Lachen und Träumen bringt, ist als Kind von Armut, Alkoholismus und Schlägen umgeben. "Weil ich keine Kindheit gehabt habe, muss ich sie jetzt ewig nachholen", sagt Janosch später. Er macht eine Ausbildung zum Schmied und arbeitet in einer Schlosserei. Nach dem Krieg kommt seine Familie nach Oldenburg, später nach Krefeld. Janosch arbeitet in Spinnereien, wird Musterzeichner und kommt auf eine Textilfachschule. Er will nun Maler werden und besucht jahrelang Kurse an der Münchener Akademie der Künste, die ihn aber ablehnt. "Ich war unbegabt, bin Querulant, linkisch, unfähig, was sollten die mit mir anfangen", meint Janosch.

Janosch beschließt, Schriftsteller zu werden. Ein Bekannter rät ihm, ein Kinderbuch zu machen, und tatsächlich publiziert der Verleger Georg Lentz 1960 "Die Geschichte von Valek dem Pferd". Der Legende nach entsteht auch der Name "Janosch" aufgrund einer Verwechslung durch Lentz. "Valek" und die folgenden Bücher (u.a. Theaters) werden kein Erfolg. Ende der 70er- Jahre begegnet Janosch dann dem richtigen Menschen und Zeitgeist. Verleger Hans-Joachim Gelberg weiß, dass die Gesellschaft reif ist für einen Janosch mit seinen anarchischen und philosophischen Büchern. "Jeder Autor findet seine eigene Sprache", sagt Gelberg, "Das trifft besonders auf Janosch zu. Wie wunderbar passt das alles mit seinen Bildern zusammen." Mit "Oh, wie schön ist Panama" gelingt Janosch 1978 der Durchbruch. Das Buch ist heute ein Kinderbuch-Klassiker und gewinnt den Deutschen Jugendbuchpreis. Der kleine Bär und Tiger gelangen auf ihrer Reise ins Sehnsuchtsziel Panama dahin zurück, wo sie hergekommen sind - im Paradies. Der Zeitung "Die Welt" beschreibt Janosch die Entstehungsgeschichte so: "In einem Rumrausch saß ich vor dem Hafen (auf Ibiza) und hatte auf einmal den Mut zum endgültigen Verrat an der Revolution. Ich musste leben und nicht die Revolution. Ich fuhr sofort zurück. Mein Haus war vom Gras zugewachsen und als es mir vorkam wie das Paradies, hatte ich die Lösung: Jeder lebte schon immer im Paradies, hat es nur nicht gewusst." Die Marke Janosch wird auch zum wirtschaftlichen Erfolg. Seit "Panama" überschwemmen Tigerenten und andere Janosch-Figuren den Handel, die Janosch oft selbst entwirft. "Meine persönliche Lieblingsfigur ist Onkel Poppoff. Mit ihm bin ich oft auf Bäume geflogen", sagt Janosch, "Mit der Tigerente konnte ich nie viel anfangen." Die Geschöpfe werden auch zum Leben erweckt. "Emil Grünbär" ist in den 90er-Jahren Teil einer Kinder-Umwelt-Initiative. In den 80ern ist "Janoschs Traumstunde" und seit 1996 der "Tigerenten-Club" eine der erfolgreichsten deutschen Kindersendungen. "Oh, wie schön in Panama" wird 2006 verfilmt.

Seit 1980 lebt Janosch zurückgezogen in den Bergen Teneriffas. "Die Sonnenstrahlen sind die Wellen, die mich tragen. Zudem schätze ich die Einsamkeit hier", sagt Janosch. Er gibt sich gern als Misanthrop, wenn er mit Journalisten spricht, erzählt er gerne Quatsch. Janoschs letztes Buch "Onkel Puschkin, guter Bär" erscheint 2003. Seit 2013 zeichnet er eine Kolumne für das ZEIT-Magazin. Janosch erhielt viele Preise, auch das Bundesverdienstkreuz. In der Schweiz und in Deutschland erschienen Janosch-Briefmarken und auf der Expo 2000 stand Janosch als einer der bedeutendsten Köpfe des 20. Jahrhunderts. Am 11. März wird er 90 Jahre alt.


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